Parasiten im Auge: Neue Infektionskrankheit auf dem Vormarsch?

Parasiten im Auge: Neue Infektionskrankheit auf dem Vormarsch?

Fachleute entdeckten einen neuen Parasiten: Kleine Würmer, die das menschliche Auge befallen. Wie gefährlich ist Thelazia gulosa?

Bereits zum zweiten Mal wurden die Parasiten, die bisher nur Tiere befallen haben, im Menschen gefunden. Die winzigen Würmer nisten sich im Auge ihres Wirts ein und rufen dort ähnliche Symptome wie bei einer Bindehautentzündung hervor. Der Parasit wird durch Fliegen übertragen und tritt normalerweise bei Rindern im Norden der Vereinigten Staaten sowie im Süden von Kanada auf. Bisher war der Augenwurm Thelazia gulosa jedoch nie bei einem Menschen entdeckt worden.

Thelazia gulosa – Die Rundwürmer im Fokus

Aussehen des Parasiten: Es gibt verschiedene Unterarten der Thelazia. Alle sind Nematoden – also Rundwürmer der Unterordnung Spirurina. Die Thelazia-Arten sind dünne, milchig- bis gelblich-weiße Parasiten, die 0,5 bis 2 cm lang werden können. Normalerweise befallen sie ausschließlich Fleischfresser, Wiederkäuer und Pferde. So tritt der Parasit vorrangig bei Rindern auf.

Vermehrung des Parasiten: Viele dünnschalige Eier werden vom Thelazia-Weibchen meist am Auge von Rindern oder anderen Tieren abgelegt. Die Eier enthalten bereits eine Erstlarve, die dann gemeinsam mit der Tränenflüssigkeit des Tieres von Fliegen aufgenommen wird. Denn Fliegen wie die Stallfliege ernähren sich von der Tränenflüssigkeit. Im Darm des Zwischenwirts wächst nun die Larve heran, bis sie von dieser beim Trinken der Tränenflüssigkeit – also in Augennähe – ausgeschieden wird. So erreicht der Parasit seinen Endwirt.

Lebenszyklus des Parasiten: Von der Infektion durch den Parasiten bis zum Nachweis seiner abgelegten Larven vergehen zwischen drei und sechs Wochen. Ausgewachsene Würmer können dann über ein Jahr lang in ihrem Wirt leben.

Vorkommen des Parasiten: Die Thelazia-Arten sind weltweit verbreitet und kommen daher auch in Europa regional vor. Saisonal abhängig treten in Mitteleuropa Thelazia-Infektionen bei einer hohen Fliegendichte auf: Daher ist ein Anstieg der Infektion zwischen Mai und Oktober feststellbar. Aufgrund des begünstigenden Klimas subtropischer und tropischer Regionen tritt hier ein ganzjähriger Befall auf.

Thelazia-gulosa-Befall beim Menschen

Die erste bekannte Infektion eines Menschen trat 2018 auf, als bei einer US-Amerikanerin 14 Thelezia-Würmer in einem Auge festgestellt wurden. Sie habe sich infiziert, als sie in einem Rinderzuchtgebiet in Oregon unterwegs war. Bis zu diesem Zeitpunkt trat die Infektion ausschließlich bei Tieren auf. Beim zweiten Fall wurden vier Parasiten im Auge einer 68 Jahre alten Frau aus den USA festgestellt. Das betreuende Team um Richard S. Bradbury des US-amerikanischen Centers for Disease Control and Prevention vermutet, dass sich die Frau während ihres Winterurlaubs in Kalifornien infizierte. Dort sei sie durch einen Schwarm Fliegen gelaufen.

Thelazia gulosa – Eine neue Infektionskrankheit?

Die kurz hintereinander auftretenden Fälle deuten laut Fachleuten darauf hin, dass es sich bei der Thelazia gulosa um eine neu auftauchende Infektionskrankheit für den Menschen handeln könnte. Dies würde bedeuten, dass der Parasit auch künftig Menschen befalle. Obwohl die Vorstellung eines oder mehrerer Würmer im Auge beängstigend klingt, verursacht der winzige Wurm zum Glück nur eine vorübergehende Bindehautentzündung. Diese klingt ab, sobald die Würmer entfernt wurden.

Unklar ist bisher, warum der Wurm nun auch Menschen befällt. Experten gehen davon aus, dass der Parasit derzeit vermehrt bei Rindern auftritt und daher auch leichter auf Menschen übertragen wird. Da sich der Wurm anscheinend auch im Menschen normal vermehren kann, ist mit einem Wirtswechsel vom Tier auf den Menschen zu rechnen.

Trotz der vergleichsweise harmlosen Symptome dieser Infektion zeigt sich doch ein Trend: Es häufen sich Infektionskrankheiten, die neu entstehen und sowohl den Menschen als auch Tiere befallen. Somit vergrößert sich die Reichweite dieser Krankheiten drastisch. Experten nennen das Phänomen „emerging infectious diseases" und warnen vor steigenden Zahlen.

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