Die erste Brille: Scherenbrille

  Die erste Brille: Scherenbrille

Kennen Sie die Entstehungsgeschichte der Brille? So viel sei gesagt: Die erste Brille saß zwar schon auf der Nase – aber sonst sah sie noch ganz anders aus. Gehen Sie mit uns auf eine brillante Entdeckungstour.

Bereits im Mittelalter versuchte man Sehschwächen auszugleichen und experimentierte mit den ersten Sehhilfen. Anfangs mussten Menschen mit Sehschwäche regelrechte Ungetüme verwenden, um besser sehen zu können. Auf dem Bild des Malers Conrad von Soest sehen Sie die älteste Darstellung einer Brille. Dabei verschleiert die Darstellung etwas die Realität – hier erscheint die sogenannte Scherenbrille schon sehr praktisch und handlich. Was man dabei schnell übersieht: Die Brillengestelle waren damals aus schweren Materialien wie Eisen, Holz, Horn oder Knochen. Und es gab noch keine Bügel, mit denen sich der Brillenträger diese bequem hinter die Ohren legen konnte. Vielmehr musste man sich die Brille stets mit der Hand vor die Augen halten.

Vom Lesestein zur Brille

Bevor man sich Linsen vor die Augen hielt, griff man zu sogenannten Lesesteinen. Derartige Lesesteine gibt es noch heute – optimiert und einige sogar mit einer zusätzlichen Beleuchtung als Hellfeldlupe. Damals wurden die Halbkugeln aus Bergkristall oder Beryll gefertigt. Die Nutzung bleibt die gleiche: Man legte den Lesestein auf das gewünschte Schriftstück und bewegte ihn beim Lesen oder Anschauen über das Objekt hinweg. Durch das Material und den einfallenden Blickwinkel wirkte der Lesestein wie eine Lupe und vergrößerte die Schriftzeichen.

Wer nun eigentlich den Ursprung der Brille erfunden hat, ist bisher nicht ganz sicher. Im Kloster San Nicolo in Treviso (Italien) gibt es jedoch ein Gemälde aus dem Jahr 1352 auf dem sich ein lesender Mönch ein "Einglas" mit Griff vors Auge hält. Auch der englische Franziskanermönch Roger Bacon beschäftigte sich im Mittelalter intensiv damit, wie man Sehschwächen ausgleichen könnte. Zu dieser Zeit gab es bereits derartige Überlegungen von Alhazen, einem arabischen Mathematiker, Astronomen und Optiker.

Verschiedene Tragevarianten

Bis man sich die Brille tatsächlich hinter die Ohren klemmte, experimentierte man mit verschiedenen Tragevarianten. Ziel war stets, die Sehhilfe im Gesicht zu halten. So befestigte man beispielsweise die Mützenbrille an eben dieser. Hierfür wurden die Brillengläser an einer Mütze festgeknotet und baumelten dann vor den Augen. Der Zwicker wurde hingegen direkt auf die Nase gezwickt – also geklemmt. Und das Monokel, ein einzelnes Augenglas, klemmten sich hauptsächlich Männer zwischen Wange und oberem Augenlid.

Frauen verwendeten lieber das formschöne Lorgnon. Das Lorgnon wird auch Scherenbrille genannt, da es tatsächlich wie eine elegant verzierte Schere aussieht. Die feinen Damen mussten nicht ihr Gesicht verziehen, um eine Sehhilfe zwischen Wange und Lid einzuklemmen, sie konnten die Scherenbrille einfach vor ihre Augen halten. Durch die filigranen Verzierungen wirkte die Sehhilfe gleich einem Modeaccessoire.

Die Brille, wie wir Sie kennen mit seitlichen Bügeln, die man sich hinter die Ohren klemmen kann, gibt es erst seit dem 18. Jahrhundert. Aufgrund der charakteristischen Tragweise heißt die Brille eigentlich Ohrenbrille.

Warum heißt die Sehhilfe „Brille"?

Zunächst wurden die Linsen aus Bergkristall oder aus Halbedelsteinen namens Beryll geschliffen. Spricht man das Material Beryll einmal laut aus, erkennt man deutlich den namentlichen Ursprung der Brille: „Brill". Während eine Linse als "Brill" bezeichnet wird, werden zwei "Brille" genannt. Schon war die Bezeichnung der Sehhilfe entstanden.

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