Exzentrisches Sehtraining: Hilfe bei zentralem Gesichtsfeldausfall

Exzentrisches Sehtraining: Hilfe bei zentralem Gesichtsfeldausfall

Genau im Fokus verschwimmt das Bild: Buchstaben und Wörter verschwinden plötzlich. Diagnose Zentralskotom, häufig in Folge einer Makuladegeneration. Exzentrisches Sehtraining soll betroffenen Patienten helfen. Lesen Sie jetzt wie.

Die Sehschwäche Zentralskotom beeinträchtigt nicht nur das Sehen, sondern macht zentrale Sehaufgaben wie das Detailsehen oft unmöglich. Da durch ein Zentralskotom meist die Fovea, die Stelle des schärfsten Sehens, in Mitleidenschaft gezogen wird. Mit der Folge, dass das Auge unstetig den Fokus sucht. Betroffene Patienten leiden daher unter Ermüdungserscheinungen, Überanstrengung und gar Lustlosigkeit am Sehen. Viele vermeiden sogar visuelle Tätigkeiten wie Lesen, Nähen oder Basteln, und geraten somit immer mehr in eine Isolation.

In einigen Fällen hilft sich das Auge selbst:  Eine andere Stelle der Netzhaut übernimmt manchmal das Anschauen von Objekten. Um flüssig zu lesen, werden bei einer Fixation mehrere Buchstaben erfasst. Das genutzte Netzhautareal muss also über eine gewisse Ausdehnung verfügen. Damit nicht nur einzelne Buchstaben ohne Wortzusammenhänge erkannt werden, sollte bei einem Zentralskotom die genutzte Ausweichstelle auf der Netzhaut mindestens 4° haben. Um schnell und effizient diese neue Netzhautstelle zu nutzen, kann ein exzentrisches Sehtraining hilfreich sein.

Ziel des Exzentrischen Sehtrainings:

  • Optimierung der Lesefähigkeit bei Patienten mit Zentralskotom
  • Befähigung eine außerhalb des Skotoms gelegene, exzentrische Netzhautstelle für das monokulare Lesen zu nutzen
  • Bessere Anpassung von Sehhilfen aufgrund der Untersuchungsergebnisse

Untersuchung und Diagnose: Um mit dem Training starten zu können, erfolgt zunächst eine Sehfunktions- und Gesichtsfelduntersuchung. Hierbei werden die Ausdehnung des Zentralskotoms und die noch funktionsfähigen Netzhautareale ermittelt. Ein anschließender Fixationstest zeigt anhand verschiedener Sehaufgaben, ob und wo Ausweichareale auf der Netzhaut sind. Mithilfe verschieden großer Objekte wird geübt, wie der Betroffene eine neue, geeignete Netzhautstelle findet und für zentrale Sehaufgaben nutzt.

Hinweis: Das Exzentrische Sehtraining ist besonders für Menschen mit Altersabhängiger Makula-Degeneration geeignet.

Exzentrisches Sehtraining – Die Methode: Etwas sehen und fixieren, indem man daran vorbei schaut – das klingt zunächst unlogisch. Es hilft jedoch den Patienten ihre Lesefähigkeit zu verbessern. Ist eine geeignete Stelle außerhalb des Skotoms ermittelt, lernt der Patient unter Anleitungen, wie er seine Augen entsprechend bewegen und die Fixation ausrichten muss. In mehreren Trainingseinheiten mit dem Therapeuten und durch Übungsaufgaben zu Hause lernt er an dem gewünschten Objekt vorbei zu schauen, um es wieder zu erkennen.

Hinweis: Planen Sie für das Exzentrische Sehtraining einen Zeitaufwand von vier bis fünf Terminen mit dem Therapeuten sowie für tägliche Heimübungen ein. Meist werden die Trainingseinheiten über einen Zeitraum von ca. drei bis vier Wochen verteilt.

Verbesserung durch das Exzentrische Sehtraining:

  • Signifikante Steigerung der Lesegeschwindigkeit um 34 % von 57 ± 33 W/min (Wörter pro Minute) auf 77 ± 52 W/min (p = 0,002)
  • Lesen mit einem kurzen Leseabstand bis zu einer Sehschärfe von mind. 0,05 (gelegentlich bis 0,03)
  • Durch das Training lernen die Betroffenen, mit Ihrer Lupenbrille richtig umzugehen und diese effizient zu nutzen, z. B. beim Lesen von Zeitungen

Mithilfe des Exzentrischen Sehtrainings kann die flüssige Lesefähigkeit wiedererlangt werden. Indem der Betroffene lernt, optische Sehhilfen wie Lupen einzusetzen, erlangt er Mobilität und erlebt mehr Selbständigkeit.

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