Die Erfindung der Lupe

Die Erfindung der Lupe

Die Lupe wird zu Unrecht oft unterschätzt: Das optische System, das hinter den Vergrößerungsgläsern steckt, ist die Grundlage für viele wichtige optische Geräte und Hilfsmittel. Heute ist die Lupe nicht mehr aus unserem Alltag wegzudenken. Sie ist für viele Anwendungszwecke geeignet und leistet Menschen mit verminderter Sehkraft eine wichtige Hilfestellung.

Eine antike Erfindung

Vielleicht haben Sie schon einmal beobachten können, dass ein Wassertropfen vergrößernd wirkt: Wenn Sie z. B. das Blatt einer nach Regen benetzten Pflanze betrachten, werden durch die Wassertropfen feinste Strukturen auf der Blattoberfläche sichtbar. Dieses Prinzip inspirierte im 10. Jahrhundert den Mathematiker, Optiker und Astronom Al-Hassan ibn al-Haitham, kurz Alhazen zur Erfindung der Lupe. Der Wissenschaftler gewann vor allem durch seine optischen Experimente große Anerkennung. Während die meisten Wissenschaftler der Antike, wie Euklid und Ptolemäus, der Ansicht waren, dass der visuelle Eindruck im Gehirn von „Sehstrahlen" erzeugt wird, die die Umgebung abtasten, verfolgte Alhazen eine andere Theorie: Er analysierte den Aufbau des Auges, erkannte die Bedeutung der Linse und widerlegte die Sehstrahlen-Theorie. Er verfeinerte zudem Ptolemäus’ Theorien zur Lichtbrechung und Lichtreflexion. Mit seinen optischen Experimenten war er seiner Zeit weit voraus und leistete wesentliche Beiträge zu Erkenntnissen der Optik. Auch seine Versuche mit geschliffenen Gläsern waren erfolgreich: Er konnte deren Vergrößerungsleistung beweisen und gilt somit als Erfinder der Lupe. Mit seinen Schriften inspirierte er wahrscheinlich sogar Roger Bacon zur Erfindung der Brille. Auch wenn die Lupen, wie wir sie heute verwenden, im Grunde die selbe Vergrößerungswirkung haben, wie die Lesesteine von Alhazen, gibt es heute doch spezielle Lupen für die verschiedensten Anwendungen:

Lesestäbe

Die länglichen Lesegläser werden vor allem zum Lesen von Fließtexten oder Tabellen benutzt. Lesestäbe vergrößern die Buchstaben nur in eine Richtung: Die Buchstaben werden in die Höhe gestreckt, während die Breite unverändert bleibt. Oft haben Sie außerdem eine Führungslinie, die das Verrutschen auf der Zeile verhindert.

Leselupe

Die klassische Leselupe ist wohl jedem bekannt. Sie ist nicht nur Sherlock Holmes’ Markenzeichen, sondern auch praktischer Helfer für alle Vergrößerungsbelange. Der große Linsendurchmesser erlaubt einen großzügigen und variablen Abstand zwischen Lesegut und Augen. Das Lesen ist so auch in bequemer Haltung möglich. Heute gibt es neben der klassischen Leselupe, die an einem Griff gehalten wird, zahlreiche verschiedene Modelle: Von Leuchtlupen, wie der easyPOCKET bis hin zu Lupen mit Abstandhalter, wie der combiPLUS.

Detaillupe

Die Detaillupe zeichnet sich durch ihre besonders hohe Vergrößerung aus. Mit ihrem kleinen Linsendurchmesser und der kompakten Bauform wird die Linse sehr nah am Auge platziert. Dies ist nicht nur den kurzen Brennweiten auf Grund der hohen Vergrößerung geschuldet, sondern sorgt auch für ein möglichst großes Gesichtsfeld. Klassische Beispiele sind die Uhrmacherlupe, die direkt vor dem Auge eingeklemmt wird, oder der Fadenzähler.

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