Die First Lady der Optik – Dr. A. Estelle Glancy

Die First Lady der Optik – Dr. A. Estelle Glancy

Frauen in der Wissenschaft hatten es im 20. Jahrhundert schwer. Kein Wunder also, dass der Name von Dr. A. Estelle Glancy eher nicht bekannt ist – und das, obwohl Sie die Welt der Optik revolutionierte. Die amerikanische Wissenschaftlerin entwickelte den Scheitelbrechwertmesser und meldete das Patent für die erste Gleitsichtbrille an.

Glancy machte als eine von nur wenigen Frauen 1913 Ihren Doktor an der University of California in Berkeley: Dies wäre der Start Ihrer Forschungskarriere gewesen. Jedoch war es für Glancy nahezu unmöglich eine Position als Forscherin zu finden. Denn als Frau wurde Sie in der Männerdomäne nicht respektiert. 1918, als Sie die Suche nach einer Stelle beinahe aufgeben wollte, bekam Sie jedoch die Gelegenheit unter Dr. Edgar Tillyer bei American Optical, dem größten Anbieter von Brillen in den USA, zu arbeiten. Sie trug, im Schatten Ihrer männlichen Kollegen, einen wesentlichen Teil zu den wichtigsten Forschungsprojekten des Unternehmens bei. Dr. Tillyer wurde später auf dem Gebiet der Optik berühmt, doch sein Durchbruch wäre nicht ohne die mathematischen Berechnungen von Glancy möglich gewesen.

Estelle Glancy war eine wahre Pionierin der optischen Branche und legte mit Ihrem Know-how den Grundstein für viele wichtige Erfindungen im optischen Bereich. Bereits 1924 reichte Sie das Patent für progressive Brillengläser ein – eine bahnbrechende Erfindung. Erst 50 Jahre später wurden die Gleitsichtgläser als Alternative zu bi- und trifokalen Varianten akzeptiert. Heute erleichtert die Gleitsichtbrille Menschen weltweit das Sehen. Doch nicht nur das: Sie entwickelte den Scheitelbrechwertmesser (Synonym: Lensometer), das erste Instrument, um die Leistung eines Brillenglases verlässlich zu messen. Diese Technologie ist noch heute aktuell und wird von Optikern weltweit verwendet.

Foto: OpticalHistorian (Lizenz: CC BY-SA 4.0)

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