In Zukunft sehen

Smarte Linsen

Smarte Linsen

Smartphones und andere "smarte" Technologie eröffnen Sehbehinderten und Blinden bereits heute neue Möglichkeiten, die früher undenkbar gewesen wären: Farben und Objekte erkennen, Vorlesen, Navigieren - all dies ist dank Smartphone, Tablet und Co. möglich. Da die Bedienung in vielen Fällen über einen Touchscreen ohne taktile Marker funktioniert, stellt sie wohl die größte Barriere bei der Benutzung von Smartphones und Tablets durch Blinde und Sehbehinderte dar; inzwischen gibt es aber viele Tutorials, Anwendungen und Schulungen, die den Zugang zu dieser hilfreichen Technologie ermöglichen. Eschenbach Optik bietet mit der elektronischen Sehhilfe smartlux® DIGITAL eine elektronische Lese- und Schreibhilfe, die Flexibilität der digitalen Technologie mit barrierefreier Bedienbarkeit durch große, gut seh- und fühlbare Bedienelemente vereint.

Dreamteam: Optische Sehhilfen und smarte Technologie

Nun scheinen die großen Technologiekonzerne fast gleichzeitig auf die Idee gekommen zu sein, smarte Computersysteme mit optischen Linsen zu verbinden. Mit Technologie direkt auf die Wahrnehmung einwirken: Diese Vorstellung klingt, als sei sie einem Science-Fiction-Roman entsprungen, könnte aber schon bald Wirklichkeit werden. Wie im April dieses Jahres bekannt wurde, hat der Technologiekonzern Samsung einen Antrag auf Patentierung einer smarten Kontaktlinse gestellt, die eine Antenne zum Datenempfang, eine Kamera und ein Display miteinander vereint und Daten, die etwa von einem Smartphone gesendet werden, direkt auf das Auge überträgt. Anders als die im Jahr 2014 als Beta-Version auf den US-Markt gebrachte Datenbrille Google Glass (deren Verkauf und Weiterentwicklung mittlerweile eingestellt wurde), handelt es sich hier um ein Wearable Gadget (also Computersystem, das wie Kleidung oder ein Accessoire am Körper des Nutzers getragen wird), das nicht auf den ersten Blick zu sehen ist. Neben den „normalen" Funktionen einer Kamera sollen die Samsung-Kontaktlinsen auch als Display für den Träger fungieren und die natürliche Wahrnehmung der Realität durch eingeblendete Bilder erweitern – also sogenannte Augmented-Reality-Funktionen erfüllen. Die potenziellen Anwendungsmöglichkeiten einer solchen Technologie sind vielfältig und reichen von innovativen Präsentationsformen über neuartige Navigationssysteme bis hin zu Kontroll- und Überwachungsmaßnahmen.

Ein ähnliches Konzept verfolgt anscheinend auch Google mit der Entwicklung einer Kontaktlinse, die mit einer Kamera ausgestattet ist. Allerdings ist diese in ihrer Anwendung vor allem auf Sehbehinderte ausgerichtet: Die mit einem Funksystem ausgestattete Linse soll kontinuierlich Bilder der Umgebung machen und diese ans Smartphone senden. Das Smartphone analysiert den Bildinhalt und kann etwa ein akustisches Warnsignal absetzen, sobald sich der Träger einer Gefahrenquelle nähert.

Und Google schaut noch weiter in die Zukunft: Wie berichtet wird, arbeitet Googles Mutterkonzern Alphabet gerade an der Entwicklung einer radiofrequenzkompatiblen Flüssigkeit, die ins Auge geträufelt wird und direkt Daten empfangen und an den Sehnerv weitergeben kann. Wann diese Technologie zur Anwendung kommen kann, steht allerdings noch nicht fest.

Lasertechnik für scharfes Sehen

Die Firma QD Laser Inc. stellte 2015 in Tokio den Prototypen einer Datenbrille vor, die stets scharfes Sehen gewährleisten soll. Dieses „Wearable Gadget" ist einer normalen Brille möglichst genau nachempfunden und arbeitet nicht mit in den Brillengläsern eingebauten Displays, sondern mit Lasertechnologie: Rote, grüne und blaue Halbleiterlaser projizieren Bilder direkt auf die Netzhaut ihres Trägers. Hierbei werden Laser der Klasse 1 eingesetzt, die ungefährlich für das Auge sind. Voraussetzung für das Funktionieren der Technologie ist eine möglichst genaue Anpassung an die physiologischen Gegebenheiten des Trägers. Dann aber soll die smarte Datenbrille in der Lage sein, sogar 3D-Bilder zu projizieren.

Effektive Therapien mit Shuttertechnologie

Aber nicht nur im Bereich der Sehhilfen, sondern auch in der Therapie von Augenerkrankungen und Sehschwächen kann smarte Technologie in Verbindung mit optischen Linsen eingesetzt werden: So werden in der Therapie der Amblyopie bei Kindern Versuche mit programmierbaren Brillen gemacht, die angenehmer zu tragen sind und die Sehschwäche effektiver therapieren sollen als das üblicherweise eingesetzte Augenpflaster. Hierbei übernehmen programmierbare Brillengläser – eigentlich LCD-Displays – das temporäre Abdunkeln des gesunden Auges, was sonst durch Überkleben des Brillenglases erreicht wird, um das betroffene Auge zu trainieren. Hierbei ist es möglich, die Abdunkelung zum Beispiel in einem zeitlichen Intervall von 30 Sekunden einzustellen, sodass das Kind weniger eingeschränkt ist als bei der dauerhaften Abdunkelung durch ein Pflaster. Eine Studie in den USA hat gezeigt, dass die Therapie mit smarten Brillengläsern mindestens genauso gute Therapieresultate erbringt, die Kinder aber kooperativer sind und ein deutlich geringeres Risiko tragen, ausgegrenzt oder gehänselt zu werden als bei der traditionellen Therapieform.

Wir bleiben gespannt, welche Entwicklungen aus dem Bereich der smarten Technologien in Zukunft für Sehbehinderte und Blinde nutzbar werden, um ihnen den Alltag zu erleichtern – und bleiben auf dem Laufenden, um weiterhin aktuelle Technik mit der bewährten Eschenbach-Qualität zu verbinden.

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