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Freizeit mit Sehbehinderung

Freizeit mit Sehbehinderung

Wer Sport treibt, lebt gesünder. Auch Menschen mit Sehbehinderung sollten, wollen und können aktiv sein. Denn trotz Handicap gibt es viele Möglichkeiten, Sport mit Sehbehinderung zu treiben oder sonstige Freizeitangebote in Anspruch zu nehmen - ob mit oder ohne Sehhilfe. Man muss nur die Angebote kennen. Augenoptiker können hier ein wichtiger Ansprechpartner sein. Nicht nur, aber ganz besonders am Sehbehindertentag am 6. Juni.

Sport und Freizeit mit Sehhilfe

Tandem fahren

Eine der beliebtesten, einfachsten und effektivsten Arten der körperlichen Betätigung ist Fahrrad fahren. Es schont Gelenke, man ist an der frischen Luft und tut etwas für die Fitness. Mit steigendem Grad der Sehbeeinträchtigung erhöht sich jedoch auch die Unfallgefahr. Für Blinde und Sehbehinderte ist deshalb das Tandem besonders attraktiv. Auf dem vorderen Sattel sitzt ein sehender Pilot, der Kommandos gibt: Wie scharf ist die nächste Kurve? Geht es gleich bergab? Ist ein Hindernis zu umfahren oder an einer Ampel zu halten?

Da Tandemfahrten naturgemäß eine Freizeitbeschäftigung für die schöneren Tage ist, sollten besonders blendempfindliche Menschen eine Sehhilfe mit Kantenfilter tragen. Das schont nicht nur die Augen, sondern erhöht auch die Kontraste und sorgt somit für erhöhte Sicherheit. Am fehlenden Tandem-Partner sollte es übrigens nicht scheitern. Für diese Fälle gibt es eine Vermittlung auf www.tandem-hilfen.de.

Wandern und Laufen

Wer zu Fuß aktiv werden möchte, sollte vorher möglichst genau planen: Wo soll es hingehen? Wer kommt mit? Wie schnell wird gelaufen?

Gemeinsam mit Normalsichtigen laufen ist dabei immer ratsam. Beim gemütlichen Wandern, damit jemand auf schwer sichtbare Hindernisse aufmerksam machen und im Zweifel problemlos Karten lesen kann. Wobei es gerade in puncto Orientierung auch erstklassige transportable Sehhilfen gibt, mit denen auch Sehbehinderte unterwegs Karten lesen können. Von einfachen Einschlaglupen über kleine Lesebrillen bis zu beleuchteten Handlupen, falls es im Wald mal dunkler wird. Und apropos Wald - viele beliebte Wanderstrecken - gerade in den Bergen - führen durch den Wald, aber auch durch baumfreie Streckenabschnitte. Bei Sonnenschein sind auch hier Sonnenschutz-Brillen, wie z.B. wellnessPROTECT empfehlenswert. Durch die unterschiedlichen Lichtverhältnisse am besten in unterschiedlichen Tönungen oder aktivem, selbsttönenden Filter. Übrigens gibt es in vielen Gegenden auch Wanderwege, die mit Augenmerk auf die Belange von Sehbehinderten gestaltet wurden. Die lokale Touristen-Information kann darüber Auskunft geben.

Natürlich sind aber auch Ausdauer- und Tempoläufe möglich. Je höher das Tempo, desto wichtiger das Sehvermögen - deshalb spielt hier der Partner eine noch entscheidendere Rolle. Anstatt einfach als Begleitung nebenher zu laufen, sind Sehbehinderter und "Guide" per Schnur miteinander verbunden. Für diesen Sport ist ein gewisses Maß an Vertrauen nötig. Regelmäßige Treffs sind daher ratsam, ein Sportverein in der Nähe bietet solche mit Sicherheit an.

Skat-Turniere

Kartenspiele sind für Menschen mit Sehbehinderung wegen der kleinen Kartensymbole oft nicht so einfach. Dagegen helfen entweder vergrößernde Sehhilfen oder spezielle Skatkarten. Farben und Zahlen werden hier durch Symbole ersetzt, die einfacher zu erkennen und zusätzlich ertastbar sind. In ganz Deutschland gibt es dafür Turniere, den Höhepunkt bilden dabei die vom Deutschen Blinden- und Sehbehindertenverband (DBSV) organisierten Deutschen Meisterschaften in der Skathauptstadt Altenburg, dieses Jahr vom 11. bis 13. November.

Konzerte und Theater

Zugegeben: Konzerte und Theatervorstellungen besuchen, ist nicht direkt Sport. Als Freizeitbeschäftigung sind sie dennoch erwähnenswert - und außerdem gibt es ja auch Open-Air-Konzerte und Festivals. Schon für Normalsichtige ist die Band oder die Opernbühne oft weit weg und schwer zu erkennen. Sehbehinderten bleibt dann oft "nur" der akustische Genuss der Veranstaltung. Um dem vorzubeugen, gibt es Festival- und Operngläser, Ferngläser, die speziell für die Anforderungen von Kulturveranstaltungen designt sind.

Sport und Freizeit ohne Sehhilfe

Schwimmen

Schwimmen ist eine der gesündesten Sportarten. Es beansprucht den vollständigen Muskelapparat des Körpers und schont dabei die Gelenke. Einziges Problem: Sehhilfen stören beim schwimmen. Daher sind Sehbehinderte auf andere Orientierungshilfen angewiesen. Besonders einfach ist das in öffentlichen Sportbädern. Dort hängen Leinen im und über dem Becken, die nicht nur die Bahnen markieren, sondern auch den nahenden Beckenrand kennzeichnen. Wer entlang dieser Leinen schwimmt und dabei vielleicht noch eine gelbe Badekappe mit drei schwarzen Punkten trägt, ist auf der sicheren Seite und kann unbehelligt seine Bahnen ziehen.

Fitness-Studio oder Home Trainer

Keine Sturzgefahr und somit keine Notwendigkeit für eine Sehhilfe besteht in Fitness-Studios. Allerdings ist bei einigen Geräten Hilfestellung nötig, um in die korrekte Position zu gelangen, die Griffe zu finden oder den Widerstand einzustellen. Einige Studios bieten als Serviceleistung Fachpersonal extra für Sehbehinderte an. Mit einem Anruf lässt sich das in Erfahrung bringen. Oder man investiert etwas Geld und legt sich ein Laufband oder Ergometer für zu Hause an. Dann kann bei jedem Wetter ohne Einschränkung Sport getrieben werden. Eine Investition, die sich lohnt.

"Showdown"

Großer Beliebtheit erfreut sich die Sportart "Showdown", auch Blinden-Tischtennis genannt. Ziel des Spiels ist es, einen rasselnden Ball auf einer Holzplatte (so groß wie eine Tischtennisplatte) in eine Öffnung auf der Grundlinie des Gegners zu befördern. Der Ball, der mit einem Holzschläger bewegt wird, muss dabei auf der Platte bleiben und darf eine gespannte Leine in der Mitte nicht überfliegen. Das Besondere daran: Spieler jeglicher Sehstärke können daran teilnehmen, denn zwecks Chancengleichheit ist eine Augenbinde Pflicht. Showdown wird in vielen Behindertensportvereinen angeboten.

Zentrale Beratung

Für weitergehende Informationen sind zwei Broschüren des DBSV zu empfehlen. Eine über allgemeine Sport- und Freizeitangebote und eine mit allen in Vereinen praktizierten Sportarten für Blinde und Sehbehinderte - inklusive Ansprechpartner und Linksammlung. Beratung gibt es natürlich auch direkt bei den Sportvereinen.

Darüber hinaus gibt es über das Jahr verteilt immer wieder Aktionen, die auf Sportangebote für Sehbehinderte aufmerksam machen sollen. So zum Beispiel den Inklusionslauf auf dem Tempelhofer Feld in Berlin am 18. Juni 2016. Dort ist unter anderem das Projekt "Lauftandem" beratend vor Ort, das Laufpartner vermittelt. Viele Vereine und Einrichtungen nutzen außerdem den Sehbehindertentag für spezielle Aktionen. An Angeboten mangelt es nicht. Nur bewegen muss man sich selber.

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